Bundesinstitut für Sportwissenschaft



Sportpsychologie im Leistungssport - warum, für wen und wofür?

Sportpsychologie im Leistungssport - warum und für wen?
(mit freundlicher Genehmigung der Inhalte von PD Dr. Inge Sonnenschein, © 1999)

In Ihrem Alltag stehen Sie vor einer Vielzahl psychologischer Aufgaben, bei deren Bewältigung Sie sportpsychologische Unterstützung in Anspruch nehmen können:

diese umschließt die Möglichkeiten, sich fortbilden oder im Einzelfall beraten zu lassen sowie einzelne Aufgaben (wie Eingangsdiagnostik, Interventionsplanung und -durchführung, Verlaufs- und Abschlussdiagnostik) an einen Sportpsychologen bzw. eine Sportpsychologin zu delegieren. Im einzelnen kann die Sportpsychologie den Trainer/innen und Sportler/innen bei der Bewältigung folgender sportbezogener Anforderungen hilfreich zur Seite stehen:


Diagnostik und Training psychischer Leistungskomponenten
Trainerinnen und Trainer benötigen Kenntnisse darüber, welche Anforderungen ihre Sportart an psychische Fähigkeiten (wie Wahrnehmungs-, Antizipations- und Entscheidungsfähigkeit im Rahmen technisch-taktischer Fertigkeiten, Konzentrationsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, Kooperationsfähigkeit - insbesondere in Mannschaftssportarten, Stresstoleranz, Beharrlichkeit und Anstrengungsbereitschaft) stellt. Sie müssen diese leistungslimitierenden Faktoren zum einen diagnostisch erfassen können (z.B. für Fehleranalysen, Talentauslesen, Förderentscheidungen oder die Zusammenstellung einer Mannschaft). Zum anderen müssen sie in der Lage sein, sie durch Training sportartspezifisch zu entwickeln bzw. zu verbessern. Die sportpsychologische Diagnostik bietet dafür geeignete Methoden (Gespräche, Beobachtungen, psychologische Tests und Fragebogen).

Soziale Kompetenzen

Im Umgang mit Sportlerinnen / Sportlern, Vereins- und Verbandsvertretern und Medien stellen sich Trainerinnen und Trainern viele Aufgaben, wie z.B. sich kompetent darzustellen, interaktive Prozesse zu erkennen und zu optimieren, Gespräche ziel- und zweckorientiert zu führen und Konflikte zu regeln.

Optimieren von Lern- und Leistungsbedingungen

Um Training optimal zu gestalten, sind psychologische Aspekte wie Informationsverarbeitung, Motivation, Beanspruchungszustand oder soziales Klima zu berücksichtigen. Darüber hinaus sollten Trainer und Trainerinnen Auswirkungen außersportlicher Probleme (in Schule, Ausbildung, Beruf oder Familie) erkennen - um ihre Sportler und Sportlerinnen ggf. dabei zu unterstützen, sie angemessen zu regeln.

Da Sportlerinnen und Sportler eine Vielzahl psychischer Leistungsvoraussetzungen benötigen, können sie diese auch in direkter Zusammenarbeit mit einem Sportpsychologen / einer Sportpsychologin verbessern: Sie können sich beraten, trainieren und / oder coachen lassen. Zur Effizienzsteigerung ist es wünschenswert, die zuständigen Trainer bzw. Trainerinnen in die Zusammenarbeit einzubeziehen.


Unterstützen in Leistungssituationen
Die Betreuung von Sportlern und Sportlerinnen vor, während und nach einem Wettkampf erfordert Fertigkeiten wie gezielt beobachten (um die gewonnenen Informationen bei der Betreuung bzw. dem nachfolgenden Training zu berücksichtigen), eindeutig kommunizieren sowie ziel- und zweckorientiert Einflüsse setzen und kontrollieren. Ein erfolgreicher Einsatz dieser Fertigkeiten setzt voraus, dass der Trainer bzw. die Trainerin in der Lage ist, den eigenen Wettkampfstress unter Kontrolle zu halten.

Erkennen psychischer Erkrankungen
Sind bei einem Sportler / einer Sportlerin Verhaltensweisen zu beobachten, die den Verdacht auf eine psychische Erkrankung - wie Essstörungen (Magersucht oder Bulimie), sportunspezifische Ängste, Depression oder stressbedingte körperliche Erkrankungen - nahe legen, sollte der sportpsychologische Betreuuer / die sportpsychologische Betreuerin den Betroffenen / die Betroffene darauf ansprechen und ihn / sie bewegen, psychologische Psychotherapie in Anspruch zu nehmen. Da in der Regel die sportpsycholgischen Expertinnen und Experten keine klinische Fachausbildung im Bereich der Behandlung solcher psychischer Störungen besitzen, erfolgt von ihnen nach Erkennen psychischer Störungen eine Empfehlung und Weiterleitung an klinische Kolleginnen und Kollegen.



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